Am 12. September war wieder bundesweiter Tag des offenen Denkmals! Jedes Jahr eine großartige Gelegenheit, um das Bewusstsein für das historische Erbe zu schärfen und im Alltag genauer hinzusehen. Eine Führung durch die Weststadt mit Bernd Müller (Leitender Baudirektor a. D. des Universitätsbauamts und heute Ortskurator der Deutschen Stiftung Denkmalschutz) bot dazu den perfekten Rahmen.
Faszinierend war der Blick auf die Anfänge des Viertels in der Gründerzeit. Nach dem Bahnhofsbau ab 1840 siedelten sich erst Fabriken an. Die folgende Wohnbebauung entlang alter Feldwege startete recht krumm und chaotisch. Erst durch die Planungen von Reinhard Baumeister entwickelte sich das strukturierte Wohnquartier, das wir heute kennen. Seine städtebauliche Leistung verdient dauerhafte Sichtbarkeit: Es wäre ein starkes Zeichen, den Platz, auf den die ehemalige Endemannstraße (heute Emil-Henk-Straße) zuläuft, nach ihm zu benennen.
Gerade diese gewachsene Historie zeigt, wie wichtig Identität für das Stadtbild ist. Beim Blick auf die jüngsten Straßenumbenennungen wird deutlich, dass das pauschale Tilgen von Namen und das Übergehen der betroffenen Anwohner bei der Namensgebung der falsche Weg sind. Eine historische Erläuterung direkt am Straßenschild nach dem Karlsruher Modell wäre die bürgerfreundlichere und kostengünstigere Lösung. Zur Denkmalpflege im Detail gehören auch Elemente wie die letzten Heidelberger Gaslaternen, deren technisches Erbe wir dauerhaft sichern müssen.
Die Arbeit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz leistet einen unschätzbaren Beitrag für unsere Stadtidentität und ist jede Unterstützung wert. Ein großes Dankeschön an Bernd Müller für die tiefen Einblicke vor Ort!
