Es ist ein unscheinbarer Weg, doch für viele Menschen längst unverzichtbar: die Verbindung zwischen dem Wieblinger Weg und dem Bahnbetriebswerk. Seit den frühen 2000er-Jahren schlängelt sich hier eine wichtige Fuß- und Radroute unter den Gleisen hindurch – täglich genutzt, fast selbstverständlich. Doch genau diese Selbstverständlichkeit stand plötzlich auf dem Spiel.
Auslöser ist der viergleisige Ausbau der Bahnstrecke nach Mannheim. Im Zuge dieser Großmaßnahme plante die Deutsche Bahn AG, einen alten Vertrag aus den Jahren 1925/26 zu kündigen. Er verpflichtet die Bahn bis heute zur Unterhaltung der nördlichen Eisenbahnunterführung – obwohl diese für den Bahnbetrieb längst keine Rolle mehr spielt. Mit der Kündigung wäre das Schicksal des Weges besiegelt gewesen: Verfüllung der Unterführung, Abbruch der Verbindung, ein Stück Alltag verschwunden.
Doch die Stadt Heidelberg wollte das nicht hinnehmen. Der Weg ist mehr als Beton und Asphalt – er verbindet Stadtteile, verkürzt Wege, schafft Sicherheit für Radfahrende und Fußgänger. Im Stadtentwicklungs- und Bauausschuss wurde daher einstimmig eine Vereinbarung beschlossen, die den Fortbestand der Verbindung sichert.
Konkret bedeutet das: Das nördliche Bauwerk geht in das Eigentum der Stadt über. Die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH übernimmt künftig die Instandhaltung – finanziert von der Stadt. Als Ausgleich zahlt die Deutsche Bahn einen Ablösebetrag von 210.000 Euro, verteilt auf drei Jahre. Geld, das den ursprünglichen Herstellungskosten entspricht und das die Bahn durch die Übergabe einspart.
So bleibt der Weg erhalten. Still, funktional – und doch ein kleines Beispiel dafür, wie wichtig es ist, genau hinzuschauen, bevor man Verbindungen kappt, die eine Stadt zusammenhalten.
